Herbstwanderung 2017

Tennis-Club Neuwied macht traditionelle Wanderung auf Traumpfad 

über Höhlen und Schluchtensteig Kell




Turnusgemäß am 2. Wochenende im Oktober steht auf dem Terminplan des Tennis-Clubs Neuwied die Herbstwanderung an. Bei nicht ganz idealem Wetter trafen sich die wanderfreudigen Mitglieder zunächst zu einem Frühstück in der Clubgastronomie. Carlo hatte dabei eine gute Grundlage vorbereitet, um die anstehenden Aufgaben zu meistern, was auch allen Anwesenden sehr gut schmeckte.
Danach fuhr man zunächst zur Krayermühle bei Kell, um dort die Wanderung auf dem Traumpfad durch das Pönterbachtal zu beginnen. Der Weg wird zu Recht als “Wanderweg auf höchstem Niveau“ bezeichnet. Den Tennisspielern wurde alles abverlangt, ging es doch zunächst ca. 300 Höhenmeter bergauf ehe man die tollen Aussichten auf die Schweppenburg und die Eifeler Vulkanlandschaft genießen konnte. Über den Hermann-Löns-Pfad ging es dann wieder steil bergab zu den mannshohen begehbaren Trasshöhlen. Trass, auch vulkanischer Zement genannt, entstand nach Vulkanausbrüchen und wurde bereits von den Römern zum Hausbau verwendet. Die Höhlen wurden durchwandert und die Gruppe erreichte das Zwischenziel, das ehemalige Kloster Tönisstein, wo es Kaffee und Kuchen gab.
Nach der Pause führte der Weg in die Wolfsschlucht. Tolle Felsformationen, Urwaldatmosphäre, sprudelnde Quellen im Bachbett des Tönisbaches und sogar einen Wasserfall gab es zu sehen. An der Ruine des ehemaligen Klosters Tönisstein vorbei führte der Weg nach Wassenach, wo der Bus auf die Wanderer wartete.
Der Abschluss des Wandertages fand dann in der Vulkanbrauerei in Mendig statt, wo sich alle Teilnehmer bei einer kräftigen Brauhausmahlzeit von den Strapazen des Tages erholen konnten. Am Ende wurde den Organisatoren Karin Sauter und Bernd Franzmann für ihre Arbeit herzlich gedankt und es wurden die ersten Fragen nach dem Ziel der Wanderung 2018 gestellt. Fazit: für alle Teilnehmer ein schöner Tag, wenn auch das Wetter nicht immer mitspielte.






Erlebnisse von Eckhard Duhme

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Oktober bietet unser Tennisclub eine „Herbstwanderung“ an. Es nehmen jeweils 40 bis 50 Mitglieder teil, immer nur die „Älteren“, aber die sind durchs Tennisspiel ja fit genug. Eine Mitgliedsfrau, die viel wandert, sucht die jährliche Strecke aus, die dann vom Vorsitzenden getestet wird: „Wenn ich die schaffe, ist sie für alle geeignet.“ Obwohl also zwei die Strecke kennen, ist es „Tradition“, dass wir unterwegs an einer Wegegabelung falsch abbiegen und uns somit ein Stück verlaufen. Irgendwie kommen wir aber stets auf den richtigen Weg zurück und finden das Ziel.

In diesem Jahr allerdings wurde mit der Tradition gebrochen. Wir verliefen uns nicht – der Busfahrer, der uns zum Ausgangspunkt bringen sollte, bog falsch ab und fuhr einen kleinen Umweg. Na, das war für uns natürlich eine kräftesparendere Methode. Und es war dieses Mal noch etwas anders. Normalerweise starteten wir mit der Busfahrt und ließen die Wanderung mit einem gemeinsamen Abendessen im Clubhaus enden. In diesem Jahr starteten wir mit einem gemeinsamen Frühstück im Clubhaus. Dabei wurde zur Begrüßung und morgendlichen Stärkung auch schon Sekt angeboten. Im Bus äußerten dann einige: „Oh, ich hätte vielleicht doch besser auf den Sekt verzichtet.“ Na ja, wer trinkt ihn denn auch sonst schon zum Frühstück? Es bekam unterwegs aber niemand „Sektschwierigkeiten“.

Der einzige, der Schwierigkeiten bekam, war ich. Am Tag zuvor hatte ich meine Wanderschuhe aus dem Kellerregal geholt, prüfend in Augenschein genommen und gut eingesprüht, da die Wetterprognose lautete: „Es kann zu Regenschauern kommen.“ Da es seit zwei Tagen schon geregnet hatte, war „festes Schuhwerk“ für die Wanderung umso sinnvoller. Dementsprechend wurde die Tauglichkeit der „Schuhe mit Absatz“ einer anscheinend unerfahrenen Wanderin von mehreren in Zweifel gezogen. Recht bald aber sorgte ich für Gesprächsstoff. Nach etwa 3 km begann sich bei meinem linken Wanderschuh die Sohle zu lösen. Gleichlautende Erzählungen, dass anderen so etwas auch schon mal passiert war, waren für mich zwar interessant, aber keine Hilfe. Nach weiteren 500 Metern erklärte sich die Sohle des rechten Schuhs mit der linken solidarisch: „Wenn die sich löst, kann ich das auch!“ Was tun? Ich löste bei beiden Schuhen die Schnürriemen zur Hälfte, wickelte diese Hälfte um die Sohlen und Schuhe, knüpfte sie ganz fest zusammen und machte Gehversuche. So kam ich etwa einen Kilometer weiter. Dann folgte, auf regengetränktem Boden, ein recht steiler Abstieg. Der gefiel meinen Sohlen überhaupt nicht; sie klappten, zunehmend beleidigt,vorne nach unten weg. Ich hatte eine neue Idee: Kaugummi kauen, plattdrücken und als Klebemittel zwischen Schuhkörpern und Sohlen nutzen. Der Versuch scheiterte nach ca. 20 Testmetern. Da fiel mir ein: „Wir - meine Frau und ich - haben doch jeder vorsorglich einen Gummistrumpf für den Fall mitgenommen, dass sich jemand eine Wadenverletzung zuzieht. Die Strümpfe kann ich doch statt über die Waden über die Schuhe und Sohlen ziehen.“ Gedacht – getan! Dabei war ich auf die „Ziehhilfe“ meiner Frau angewiesen, die das aber fachfraulich erledigte. In der Gruppe um mich herum wurde dann erörtert, ob ich diese Lösung zum Patent anmelden sollte. „Da gibt es doch im Fernsehen so eine Reihe, in der neue, kreative Ideen gezeigt werden.“ „Ja, Höhle der Löwen heißt die. Dabei werden Geldgeber für solche Ideen gesucht.“ „Was schaust Du denn alles im Fernsehen? Die Sendung kenne ich nicht. Wo läuft die denn?“ „Bei VOX.“ „Ach so, nee, da kucke ich nicht.“ „Och, da werden ganz interessante Sachen gezeigt.“ Tja, auf einer Wanderung gibt es manchen Gesprächsstoff.

Meine Sohlen wurden von den Überziehern jedenfalls überrascht und benötigten einige Zeit, bis sie ihren Ablösekampf wieder aufnahmen. Da kamen wir zu einem Restaurant. Das war zwar nicht als Halte- oder Einkehrstelle vorgesehen, aber meine Frau befand: „Ich frage darin mal, ob die irgendein Klebeband haben.“ Die erste angesprochene Kellnerin zuckte nur mit den Schultern. Eine zweite sagte: „Neulich hatten wir doch so einen ähnlichen Fall. Ich frage mal die Chefin.“ Tatsächlich kam die Chefin hilfsbereit mit „selbstklebendem Silberpapier“. Sie ließ es sich nicht nehmen, meine Schuhe damit selber zu umwickeln. Die Gummistrumpflösung fand sie dabei sehr innovativ:„Die muss ich mir merken.“ Ob sie wohl auch VOX schaute? Meine nun silbern glänzenden Wanderschuhe sorgten für neuen Gesprächsstoff und wurden zum begehrten Fotoobjekt. „Das stelle ich in Facebook ein!“ „Bitte nicht, dieser Modestil kommt erst nächste Saison ganz groß raus. Ich bin noch mit namhaften Anbietern in Verhandlungen.“

Die Silberpapierverpackung hielt allerdings nur etwa 500 Meter. „Okay, um sie zu vermarkten, müssen offensichtlich noch ein paar Verbesserungen vorgenommen werden.“ Dann aber hatte ich Glück: Wir trafen auf eine Wandergruppe mit acht jüngeren Frauen. Angesichts meiner etwas schleppenden Gehbewegungen bekamen sie wohl mütterliche Gefühle, wunderten sich über die komischen Überzieher und erkundigten sich „nach dem Übel“. Eine Frau hatte eine Rolle Heft-Band bei sich. Damit umwickelte sie kräftig meine Schuhspitzen. Meine Frage, ob ich dafür etwas in eine eventuell vorhandene Kaffeekasse spenden könnte, wurde beinahe entrüstet verneint: „Es ist doch schön, wenn man sich unterwegs gegenseitig helfen kann! Ich habe im Gegenzug doch Ihre Gummistrumpfmethode kennengelernt.“ Die sich mir nun aufdrängende Frage, ob ich meiner Retterin denn ein „Danke-Küsschen“ geben sollte oder dürfte, ließ ich in Anwesenheit meiner Frau und der weiteren Beobachter der Szene unbeantwortet. Fröhlich winkend marschierten die Wandergruppen in verschiedene Richtungen weiter.

Da ich die Schnürriemen zur Hälfte gelöst hatte und Gummistrumpfüberzug mit Klebeband auch keine idealen Wanderbedingungen schufen, mussten meine Füße beim Bergauf und Bergab auf nassen Wegen doch noch einige Unannehmlichkeiten ertragen. Für „Fußkranke oder Schlappmacher“ stand nach sieben Kilometern der Bus zur „Notaufnahme“ bereit. Ich war heilfroh, dass ich bis dorthin einigermaßen das Tempo unserer Wandergruppe mithalten konnte. Okay, ich profitierte dabei auch etwas davon, dass ja „nur Ältere“ unterwegs waren. Meine Frau und ich nutzten jedenfalls als erste das „Bushilfeangebot“. Meine Frau hatte natürlich einfühlsam mitgelitten und freute sich, dass ich es „geschafft“ hatte.

Zwei Kilometer weiter war die nächste „Busanlaufstation“. Die Strecke dorthin war offensichtlich recht anspruchsvoll; denn jetzt nutzten etliche erschöpft genug das Fahrangebot. Ich bekam zu hören: „Gut, dass Du da nicht mehr mitgegangen bist; das wäre mit Deinen Schuhproblemen vermutlich sehr schwer geworden.“ Zwölf tapfere, fitte Wanderer marschierten weiter bis zum Ziel, wie anfangs schon erwähnt, ohne einen Umweg. Als sie im vereinbarten Gasthof ankamen, wurden sie von den anderen Beifall klatschend empfangen. Die eigenen Leistungen wurden dabei aber auch kundgetan: „Wir haben schon zwei Bierrunden Vorsprung!“

Es war, mal abgesehen von meinen Schuhproblemen, wieder eine gelungene Herbstwanderung. Für mich endete sie mit der mehrmals geäußerten Empfehlung: „Hol Dir fürs nächste Jahr aber neue Wanderschuhe!“ Das tat ich schon ein paar Tage später; in einem Sportgeschäft gab es welche „im Sonderangebot 40 % günstiger“. Als ich der Verkäuferin meine Sohlengeschichte schilderte, fragte sie: „Wie alt waren die Schuhe denn?“ „Das weiß ich nicht genau, so etwa acht oder zehn Jahre.“ „Ach so, Wanderschuhe sollen nach etwa sechs Jahren erneuert werden. Das ist wie bei Autoreifen, die Sohlen unterliegen einem Alterungsprozess.“ Ich frage mich jetzt, ob die 6-Jahre-Regel auch bei Sonderangeboten gilt.